Wissenschaftliche Grundlagen der medizinischen Hypnose

Eine Person sitzt auf einem blauen Sessel in einem hellen Raum mit Holzboden, einem runden Teppich, Pflanzen auf der Fensterbank und Wanddekorationen.

                                                            Evidenzbasierte

                                                                                Behandlung

Ein Wohnzimmer mit Holzboden, zwei blauen Sesseln, einem runden Teppich, einem kleinen Tisch, Pflanzen auf der Fensterbank und Wandbildern.

                Unter Einbeziehung

                                                     neuester Erkenntnisse

Impressionen Praxis Dunja Schmidt

Was die Forschung über Hypnose, Gehirn, Schmerz und Selbstregulation zeigt

Ist Hypnose wissenschaftlich belegt?


Diese Frage ist berechtigt — gerade bei einem Verfahren, das noch immer mit Showhypnose, Kontrollverlust oder vermeintlich geheimnisvollen Wirkungen verbunden wird.


Die wissenschaftliche Antwort ist differenziert:


Hypnose ist seit vielen Jahren Gegenstand medizinischer, psychologischer und neurowissenschaftlicher Forschung. Für einige Anwendungsbereiche liegen zahlreiche kontrollierte Studien und Metaanalysen vor. Besonders gut untersucht ist Hypnose bei Schmerzen und im Zusammenhang mit medizinischen Eingriffen. Auch für einzelne funktionelle Beschwerden, insbesondere das Reizdarmsyndrom, gibt es relevante Forschung.


Für andere Anwendungsgebiete ist die Studienlage dagegen begrenzter oder uneinheitlicher.

Deshalb wäre es ebenso falsch zu sagen, Hypnose sei wissenschaftlich nicht untersucht, wie zu behaupten, ihre Wirksamkeit sei für jede Erkrankung eindeutig bewiesen.


Eine seriöse wissenschaftliche Einordnung fragt genauer:


  • Für welches konkrete Problem wurde Hypnose untersucht?
  • Welche Art von Hypnose wurde eingesetzt?
  • Womit wurde sie verglichen?
  • Wie groß und wie gut waren die Studien?
  • Welche Ergebnisse wurden gemessen?
  • Wie dauerhaft waren mögliche Effekte?
  • Lässt sich das Ergebnis auf andere Erkrankungen übertragen?


Medizinische Hypnotherapie sollte deshalb weder mystifiziert noch als universelle Methode dargestellt werden.

Icon medizinische HypnotherapieSilhouette einer Frau mit geschwungenen Bogenelementen um den Kopf herum, einem Kreuz, einem Blatt und drei Sternen.
Icon Termin per Onlineformular anfragenSilhouette einer Person mit drei Kreisen auf Kopf, Brust und Bauch.

Warum wissenschaftliche Einordnung wichtig ist

Der Begriff „Hypnose“ wird für sehr unterschiedliche Verfahren verwendet.


Dazu gehören unter anderem:


  • medizinische und klinische Hypnose
  • psychotherapeutische Hypnotherapie
  • Selbsthypnose
  • darmgerichtete Hypnotherapie
  • hypnotische Begleitung medizinischer Eingriffe
  • Entspannungs- und Imaginationsverfahren
  • Coachingangebote
  • Showhypnose


Studien zu einem bestimmten Verfahren lassen sich deshalb nicht automatisch auf jede andere Form von Hypnose übertragen.


Auch die Aussage „Hypnose wirkt“ ist wissenschaftlich zu ungenau.


Eine bessere Frage lautet:


Bei welchem konkreten Behandlungsziel kann welche Form von Hypnose für welche Patientinnen und Patienten hilfreich sein?


Genau diese Differenzierung gehört zu evidenzbasierter Medizin.

Hypnose als psychophysiologisches Verfahren

Medizinische Hypnose arbeitet an der Schnittstelle zwischen psychischem Erleben und körperlichen Regulationsprozessen.


Im Mittelpunkt stehen unter anderem:


  • Aufmerksamkeit
  • Erwartung
  • innere Vorstellungen
  • Körperwahrnehmung
  • emotionale Bewertung
  • Suggestion
  • Stressregulation
  • Schmerzverarbeitung
  • erlernte Reaktionsmuster


Hypnose ist dabei kein Schlaf und keine Bewusstlosigkeit.


Sie wird wissenschaftlich als ein besonderer Zustand beziehungsweise Prozess fokussierter Aufmerksamkeit und erhöhter Reaktionsbereitschaft auf passende Suggestionen untersucht.


Dabei können sich subjektives Erleben und körperliche Reaktionen verändern.


Ein einfaches Beispiel ist Schmerz:


Ein Schmerzreiz ist nicht nur ein Signal aus dem Gewebe. Wie stark Schmerz erlebt wird und wie belastend er ist, hängt auch von Aufmerksamkeit, Erwartung, Angst, früheren Erfahrungen, aktueller Anspannung und der Verarbeitung im Nervensystem ab.


Genau an solchen beeinflussbaren Anteilen kann Hypnose ansetzen.

Was die Forschung insgesamt zeigt

Eine große wissenschaftliche Übersicht über Metaanalysen zur Hypnose kommt zu einem differenzierten Ergebnis.


Die Forschung zeigt nicht, dass Hypnose bei jeder Erkrankung und bei jedem Menschen gleichermaßen wirksam ist.


Sie zeigt aber, dass hypnotische Interventionen bei bestimmten medizinischen und psychologischen Fragestellungen relevante therapeutische Effekte haben können.


Besonders umfangreich untersucht sind:


  • Schmerz
  • medizinische und operative Eingriffe
  • Angst und Belastung im Zusammenhang mit medizinischen Situationen
  • bestimmte funktionelle Beschwerden
  • Reizdarmsyndrom und darmgerichtete Hypnotherapie


Gleichzeitig unterscheiden sich die einzelnen Studien erheblich.


Unterschiede bestehen zum Beispiel bei:


  • Patientengruppen
  • Art der Hypnose
  • Anzahl und Dauer der Sitzungen
  • Qualifikation der Behandelnden
  • Vergleichsbehandlung
  • gemessenen Ergebnissen
  • Studiendauer
  • methodischer Qualität


Deshalb sollte wissenschaftliche Evidenz weder klein geredet noch übertrieben dargestellt werden.

Besonders gut untersucht: Hypnose und Schmerz

Schmerz gehört zu den am intensivsten untersuchten Anwendungsbereichen der Hypnose.


Dabei ist wichtig zu verstehen:


Schmerz entsteht nicht ausschließlich an der Stelle einer Verletzung oder Erkrankung. Schmerz ist das Ergebnis komplexer Verarbeitung im Nervensystem.


Beteiligt sind unter anderem:


  • körperliche Reize
  • Aufmerksamkeit
  • Erwartung
  • emotionale Bewertung
  • Angst
  • Lernerfahrungen
  • Stress
  • vorherige Schmerzerfahrungen


Hypnotische Verfahren können an verschiedenen Punkten dieser Verarbeitung ansetzen.


Mögliche therapeutische Ansätze sind:


  • Aufmerksamkeit vom Schmerz weg oder anders auf ihn zu lenken
  • die Bewertung des Schmerzes zu verändern
  • unangenehme Empfindungen innerlich neu zu beschreiben
  • Distanz zum Schmerz aufzubauen
  • körperliche Anspannung zu reduzieren
  • Angst vor Schmerz zu verringern
  • Selbsthypnose für belastende Situationen zu erlernen


Die wissenschaftliche Literatur zeigt insgesamt, dass Hypnose bei klinischem Schmerz hilfreich sein kann.


Wie groß der Nutzen ist, hängt jedoch von der Art des Schmerzes, dem Behandlungsverfahren, der Vergleichsgruppe und der individuellen Situation ab.


Deshalb wäre eine Aussage wie „Hypnose beseitigt chronische Schmerzen“ nicht wissenschaftlich gerechtfertigt.


Seriös ist:


Medizinische Hypnose kann bei ausgewählten Schmerzpatientinnen und Schmerzpatienten eine sinnvolle Ergänzung sein und insbesondere Schmerzverarbeitung, Aufmerksamkeit, emotionale Belastung und Selbstregulation beeinflussen.

Hypnose bei medizinischen Eingriffen

Ein weiterer besonders gut untersuchter Bereich ist die Begleitung medizinischer Prozeduren und Eingriffe.


Hier wird Hypnose beispielsweise untersucht im Zusammenhang mit:


  • Angst vor einem Eingriff
  • Schmerzen während oder nach einer Behandlung
  • körperlicher Anspannung
  • Stressreaktionen
  • subjektivem Belastungserleben


In diesem Bereich zeigen zahlreiche Studien und Metaanalysen positive Ergebnisse.


Das bedeutet nicht, dass Hypnose notwendige Anästhesie oder medizinische Standardverfahren grundsätzlich ersetzt.


Sie kann jedoch als ergänzende Maßnahme eingesetzt werden, um Patientinnen und Patienten bei belastenden medizinischen Situationen zu unterstützen.


Ein möglicher Vorteil liegt darin, dass mehrere Ebenen gleichzeitig angesprochen werden können:


  • Aufmerksamkeit
  • Angst
  • Erwartung
  • Körperwahrnehmung
  • Anspannung
  • Schmerzerleben


Gerade hier zeigt sich, warum medizinische Hypnose nicht einfach mit „Entspannung“ gleichgesetzt werden sollte.

Angst und Stressregulation

Auch Angst und Stress spielen in der Hypnoseforschung eine wichtige Rolle.


Dabei muss unterschieden werden zwischen:


  • akuter Angst vor einem medizinischen Eingriff
  • situativer Belastung
  • chronischer innerer Anspannung
  • eigenständigen Angststörungen
  • Stress als Verstärker körperlicher Beschwerden


Besonders bei situativer Angst und Belastung im Zusammenhang mit medizinischen Behandlungen gibt es positive Forschungsergebnisse.


Bei komplexen oder eigenständigen psychischen Erkrankungen muss dagegen genauer betrachtet werden, welche Behandlung wissenschaftlich am besten belegt ist und welche Rolle Hypnotherapie innerhalb eines Gesamtbehandlungskonzeptes spielen kann.


Hypnose kann unter anderem dazu genutzt werden:


  • körperliche Alarmreaktionen wahrzunehmen
  • Aufmerksamkeit gezielt zu lenken
  • innere Sicherheitsvorstellungen aufzubauen
  • belastende Erwartungen zu verändern
  • Beruhigungsreaktionen einzuüben
  • Selbsthypnose zu erlernen


Wissenschaftlich sinnvoll ist dabei die Formulierung:


Hypnose kann Stress- und Angstregulation unterstützen.


Zu weitgehend wäre dagegen die Behauptung:


Hypnose normalisiert das vegetative Nervensystem bei jedem Menschen dauerhaft.

Reizdarm und darmgerichtete Hypnotherapie

Das Reizdarmsyndrom gehört zu den funktionellen Erkrankungen, für die hypnotische Verfahren vergleichsweise intensiv untersucht wurden.


Eine besondere Form ist die darmgerichtete Hypnotherapie.


Dabei richten sich die hypnotischen Interventionen gezielt auf:


  • Darmwahrnehmung
  • Beschwerden und Schmerzen
  • innere Anspannung
  • Stressregulation
  • Vorstellungen von Beruhigung und Regulation
  • den Umgang mit der Angst vor Symptomen


Der Hintergrund ist die enge Wechselwirkung zwischen Gehirn und Verdauungssystem.


Diese sogenannte Darm-Hirn-Kommunikation bedeutet nicht, dass Reizdarm „nur psychisch“ ist.


Vielmehr handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren, zu denen unter anderem gehören können:

  • Darmfunktion
  • viszerale Sensitivität
  • Nervensystem
  • Stressverarbeitung
  • Aufmerksamkeit
  • frühere Erfahrungen
  • psychische Belastung


Kontrollierte Studien und aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen, dass darmgerichtete Hypnotherapie bei einem Teil der Patientinnen und Patienten Beschwerden verbessern kann.


Auch hier gilt:


Nicht jede Person spricht gleich gut an, und Hypnotherapie ersetzt keine notwendige gastroenterologische Diagnostik.

Was die Forschung weniger sicher zeigt

Wissenschaftliche Seriosität bedeutet auch, Grenzen der Evidenz offen zu benennen.


Deutlich weniger sicher belegt sind pauschale Aussagen über eine direkte Behandlung organischer Erkrankungen durch Hypnose.


Vorsicht ist insbesondere bei Behauptungen notwendig wie:


  • Hypnose heilt Krebs
  • Hypnose stoppt Autoimmunerkrankungen
  • Hypnose beseitigt Allergien
  • Hypnose verändert den Verlauf neurologischer Erkrankungen sicher
  • Hypnose ersetzt Medikamente
  • Hypnose normalisiert das Immunsystem
  • Hypnose wirkt bei jedem Menschen
  • Eine bestimmte Anzahl von Sitzungen garantiert Erfolg


Für solche allgemeinen Aussagen gibt es keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage.


Bei körperlichen Erkrankungen kann medizinische Hypnotherapie dennoch sinnvoll sein — beispielsweise zur Unterstützung bei:


  • Angst
  • Schmerz
  • Schlafproblemen
  • innerer Anspannung
  • Krankheitsverarbeitung
  • belastender Körperwahrnehmung
  • medizinischen Untersuchungen
  • Stressregulation


Dabei wird nicht notwendigerweise die körperliche Grunderkrankung selbst behandelt.


Das Behandlungsziel muss klar benannt werden.

Gehirn und Hypnose

Moderne neurowissenschaftliche Forschung untersucht Hypnose unter anderem mit:


  • funktioneller Magnetresonanztomografie, fMRT
  • Positronen-Emissions-Tomografie, PET
  • Elektroenzephalografie, EEG
  • psychophysiologischen Messverfahren


Diese Forschung zeigt kein einzelnes „Hypnosezentrum“ im Gehirn.


Stattdessen werden Veränderungen in verschiedenen funktionellen Netzwerken untersucht.


Dazu gehören Prozesse, die beteiligt sind an:


  • Aufmerksamkeit
  • kognitiver Kontrolle
  • Selbstwahrnehmung
  • inneren Vorstellungen
  • Salienz, also der Frage, welche Reize gerade besonders bedeutsam erscheinen
  • Körperwahrnehmung
  • emotionaler Verarbeitung
  • Schmerzverarbeitung


Das ist wissenschaftlich plausibel:


Hypnose besteht nicht aus einer einzelnen Gehirnfunktion. Sie verbindet Aufmerksamkeit, Erwartung, Vorstellung, Wahrnehmung und Reaktion auf Suggestion.


Deshalb ist ein Netzwerkmodell sinnvoller als die Vorstellung eines einzelnen „Hypnosebereichs“ im Gehirn.

Was fMRT-Studien zeigen — und was nicht

Bildgebende Verfahren können zeigen, dass sich während hypnotischer Zustände oder unter hypnotischen Suggestionen Aktivitätsmuster und funktionelle Verbindungen im Gehirn verändern.


Besonders häufig untersucht werden unter anderem Netzwerke und Regionen, die mit folgenden Funktionen verbunden sind:


  • Aufmerksamkeitssteuerung
  • Körperwahrnehmung
  • emotionaler Bewertung
  • Selbstbezug
  • Schmerzverarbeitung
  • kognitiver Kontrolle


Bei hypnotischer Schmerzmodulation zeigen Studien, dass nicht nur die Wahrnehmung eines Reizes, sondern auch seine emotionale Bewertung beeinflusst werden kann.


Das ist ein wichtiger Punkt:


Schmerzintensität und die Frage, wie unangenehm oder bedrohlich Schmerz erlebt wird, sind miteinander verbunden, aber nicht vollständig dasselbe.


Hypnotische Suggestionen können solche verschiedenen Ebenen des Schmerzerlebens unterschiedlich beeinflussen.


Gleichzeitig dürfen fMRT-Bilder nicht überinterpretiert werden.


Ein verändertes Aktivitätsmuster im Gehirn beweist nicht automatisch:


  • dass eine Erkrankung geheilt wird
  • dass ein bestimmter Mechanismus vollständig verstanden ist
  • dass die gleiche Wirkung bei allen Menschen auftritt
  • dass ein Laborbefund unmittelbar einen klinischen Behandlungserfolg garantiert


Bildgebung hilft, mögliche Mechanismen besser zu verstehen. Sie ersetzt jedoch keine klinischen Wirksamkeitsstudien.

Aufmerksamkeit als therapeutischer Mechanismus

Aufmerksamkeit beeinflusst Wahrnehmung.


Das kennen viele Menschen aus dem Alltag:


Wer ständig auf ein unangenehmes Körpergefühl achtet, nimmt es häufig stärker wahr. Wer in einer hoch belastenden Situation vollständig in einer Aufgabe aufgeht, kann dagegen andere Reize zeitweise weniger deutlich wahrnehmen.


Bei chronischen Beschwerden kann Aufmerksamkeit stark an Symptome gebunden sein.


Das ist keine bewusste Entscheidung und keine Schuldfrage.


Hypnose kann therapeutisch mit Aufmerksamkeit arbeiten:


  • Aufmerksamkeit bündeln
  • Aufmerksamkeit umlenken
  • Abstand zu einem Symptom ermöglichen
  • neue Wahrnehmungsqualitäten anbieten
  • hilfreiche Körperempfindungen stärker zugänglich machen


Gerade bei Schmerz ist diese Form der Aufmerksamkeitsmodulation ein wichtiger Forschungsbereich.

Erwartung und Suggestion

Erwartungen beeinflussen menschliches Erleben.


Das bedeutet nicht, dass Beschwerden eingebildet sind.


Erwartungen sind ein normaler Bestandteil der Verarbeitung im Gehirn. Sie können beeinflussen, worauf wir achten, wie wir einen Reiz bewerten und welche Reaktion wir erwarten.


Hypnotische Suggestionen arbeiten gezielt mit solchen Prozessen.


Eine Suggestion kann beispielsweise darauf ausgerichtet sein:


  • Ruhe wahrzunehmen
  • körperliche Sicherheit zu erleben
  • Schmerz anders zu beschreiben
  • Abstand zu belastenden Empfindungen zu gewinnen
  • eine zukünftige Situation innerlich vorzubereiten


Suggestionen sind dabei keine magischen Befehle.


Ihre Wirkung hängt unter anderem ab von:


  • Behandlungsziel
  • therapeutischem Kontext
  • persönlicher Bedeutung
  • Erwartung
  • Motivation
  • Art der Formulierung
  • individueller Reaktion


Deshalb wird medizinische Hypnose individuell angepasst.

Körperwahrnehmung und emotionale Bewertung

Körperliche Empfindungen werden nicht nur registriert. Sie werden auch bewertet.


Ein schneller Herzschlag kann beispielsweise erlebt werden als:


  • normale körperliche Aktivierung
  • Aufregung
  • Freude
  • Stress
  • Warnsignal
  • unmittelbare Bedrohung


Die körperliche Empfindung allein bestimmt also nicht vollständig, wie belastend eine Situation erlebt wird.


Bei chronischen Beschwerden, Schmerz oder Krankheitsangst kann sich ein Kreislauf entwickeln:


  • Ein Körpersignal wird wahrgenommen
  • Es wird als bedrohlich bewertet
  • Angst und Anspannung nehmen zu
  • Die Körperwahrnehmung wird intensiver
  • Das Signal wird noch stärker beobachtet


Hypnotherapeutische Arbeit kann versuchen, solche Prozesse zu beeinflussen.


Nicht indem Beschwerden geleugnet werden, sondern indem Wahrnehmung, Bewertung und Reaktion differenzierter werden.

Vegetatives Nervensystem und Stressregulation

Das vegetative Nervensystem steuert zahlreiche Prozesse, die nicht vollständig willentlich kontrolliert werden.


Dazu gehören unter anderem:


  • Herzschlag
  • Atmung
  • Verdauung
  • Schwitzen
  • Muskeltonus
  • innere Aktivierung und Beruhigung


Hypnose wird auch daraufhin untersucht, wie sie psychophysiologische und autonome Reaktionen beeinflussen kann.


Die Forschung zeigt, dass hypnotische Interventionen mit Veränderungen körperlicher Regulationsparameter verbunden sein können.


Die Ergebnisse sind jedoch nicht in jedem Untersuchungsbereich einheitlich.


Deshalb ist eine vorsichtige Formulierung angemessen:


Medizinische Hypnose kann Prozesse der Beruhigung und Stressregulation unterstützen.


Nicht angemessen wäre:


Hypnose bringt das vegetative Nervensystem bei jeder Erkrankung sicher ins Gleichgewicht.


Diese Unterscheidung ist wichtig.

Aufmerksamkeit als therapeutischer Mechanismus

Aufmerksamkeit beeinflusst Wahrnehmung.


Das kennen viele Menschen aus dem Alltag:


Wer ständig auf ein unangenehmes Körpergefühl achtet, nimmt es häufig stärker wahr. Wer in einer hoch belastenden Situation vollständig in einer Aufgabe aufgeht, kann dagegen andere Reize zeitweise weniger deutlich wahrnehmen.


Bei chronischen Beschwerden kann Aufmerksamkeit stark an Symptome gebunden sein.


Das ist keine bewusste Entscheidung und keine Schuldfrage.


Hypnose kann therapeutisch mit Aufmerksamkeit arbeiten:


  • Aufmerksamkeit bündeln
  • Aufmerksamkeit umlenken
  • Abstand zu einem Symptom ermöglichen
  • neue Wahrnehmungsqualitäten anbieten
  • hilfreiche Körperempfindungen stärker zugänglich machen


Gerade bei Schmerz ist diese Form der Aufmerksamkeitsmodulation ein wichtiger Forschungsbereich.

Hypnose und Psychoneuroimmunologie

Die Psychoneuroimmunologie untersucht die Wechselwirkungen zwischen:


  • psychischem Erleben
  • Gehirn und Nervensystem
  • Hormonsystem
  • Immunsystem


Heute ist grundsätzlich anerkannt, dass diese Systeme nicht vollständig unabhängig voneinander arbeiten.


Stress kann beispielsweise mit körperlichen Regulationsprozessen in Wechselwirkung stehen.


Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass Hypnose eine Immunerkrankung direkt behandelt oder das Immunsystem gezielt „steuern“ kann.


Hier werden wissenschaftliche Zusammenhänge häufig zu stark vereinfacht.


Eine seriöse Einordnung lautet:


Hypnose kann möglicherweise über Stressreduktion, Verhaltensänderung, Schlaf, Schmerzverarbeitung und andere Regulationsprozesse indirekt Einfluss auf das körperliche Erleben nehmen.


Ob und in welchem Ausmaß sich daraus krankheitsspezifische Veränderungen immunologischer Prozesse ergeben, muss für jede Fragestellung gesondert untersucht werden.


Deshalb werden in der Praxis keine Aussagen gemacht wie:


  • „Hypnose stärkt sicher das Immunsystem.“
  • „Hypnose stoppt Entzündungen.“
  • „Hypnose heilt Autoimmunerkrankungen.“
  • „Hypnose beseitigt Allergien.“


Psychoneuroimmunologie ist ein wichtiges Forschungsgebiet.


Sie ist aber kein wissenschaftlicher Freibrief für pauschale Heilversprechen.

Selbsthypnose und Selbstwirksamkeit

Ein wichtiger Bestandteil medizinischer Hypnotherapie kann das Erlernen von Selbsthypnose sein.


Aus therapeutischer Sicht ist dies besonders interessant, weil Patientinnen und Patienten nicht ausschließlich von einer Behandlungssitzung abhängig bleiben.


Sie können lernen, bestimmte Fähigkeiten selbst anzuwenden.


Dazu gehören beispielsweise:


  • Aufmerksamkeit lenken
  • körperliche Anspannung wahrnehmen
  • Beruhigung einleiten
  • innere Bilder nutzen
  • hilfreiche Selbstsuggestionen entwickeln
  • mit Schmerzspitzen oder belastenden Situationen anders umgehen


Die mögliche Bedeutung geht dabei über reine Entspannung hinaus.


Selbsthypnose kann das Erleben stärken:


Ich bin meinen Beschwerden nicht in jeder Situation vollständig ausgeliefert.


Dieses Erleben von Selbstwirksamkeit ist für viele therapeutische Prozesse bedeutsam.


Dabei gilt auch hier:


Selbsthypnose ersetzt keine notwendige Behandlung und ist nicht für jede Situation die allein geeignete Methode.

Warum nicht alle Menschen gleich auf Hypnose reagieren

Menschen reagieren unterschiedlich auf hypnotische Verfahren.


Das ist bei vielen medizinischen und psychotherapeutischen Behandlungen so.


Unterschiede können unter anderem bestehen in:


  • Reaktion auf Suggestionen
  • Fähigkeit zur Aufmerksamkeitsfokussierung
  • therapeutischer Beziehung
  • Erwartung
  • Motivation
  • Erfahrung mit Hypnose
  • Art des behandelten Problems
  • Gestaltung der Intervention


In der Forschung wird auch die sogenannte hypnotische Suggestibilität oder Hypnotisierbarkeit untersucht.


Daraus sollte jedoch kein vereinfachtes Denken entstehen:


Menschen lassen sich nicht sinnvoll in „Hypnose funktioniert“ und „Hypnose funktioniert nicht“ aufteilen.


Auch muss jemand nicht besonders fantasievoll sein oder spektakuläre Tranceerlebnisse haben, damit eine hypnotherapeutische Behandlung hilfreich sein kann.


Entscheidend ist der therapeutische Nutzen — nicht die spektakuläre Tiefe einer Trance.

Warum die Studienlage je nach Anwendungsgebiet unterschiedlich ist

Die wissenschaftliche Evidenz für Hypnose ist nicht überall gleich stark.


Das hat mehrere Gründe.

Unterschiedliche Erkrankungen

Schmerz, Reizdarm, Raucherentwöhnung und eine schwere neurologische Erkrankung sind wissenschaftlich völlig unterschiedliche Fragestellungen.


Ein positiver Effekt bei Schmerz kann nicht automatisch auf eine andere Erkrankung übertragen werden.

Unterschiedliche Hypnoseverfahren

Studien verwenden unterschiedliche Methoden:


  • einzelne hypnotische Interventionen
  • mehrere Therapiesitzungen
  • standardisierte Audioanleitungen
  • individuelle Hypnotherapie
  • Selbsthypnose
  • darmgerichtete Hypnotherapie
  • Hypnose während medizinischer Eingriffe


Diese Verfahren sind nicht identisch.

Unterschiedliche Vergleichsgruppen

Ein Ergebnis hängt auch davon ab, womit Hypnose verglichen wird:


  • keine Behandlung
  • Warteliste
  • übliche Versorgung
  • Entspannung
  • Aufmerksamkeit durch eine Behandlerin oder einen Behandler
  • andere psychotherapeutische Verfahren
  • medizinische Standardbehandlung


Eine Überlegenheit gegenüber „keiner Behandlung“ ist wissenschaftlich etwas anderes als eine Überlegenheit gegenüber einer etablierten aktiven Therapie.

Unterschiedliche Studienqualität

Auch bei Hypnose gibt es:


  • kleine Studien
  • größere randomisierte Studien
  • unterschiedliche Kontrollbedingungen
  • unterschiedliche Messmethoden
  • kurze und lange Nachbeobachtungszeiten
  • methodisch starke und methodisch schwächere Untersuchungen


Eine Metaanalyse kann nur so aussagekräftig sein wie die Studien, die sie zusammenfasst.


Deshalb muss auch eine positive Metaanalyse kritisch gelesen werden.

Was bedeutet „wissenschaftlich belegt“ eigentlich?

Der Ausdruck „wissenschaftlich belegt“ wird im Internet häufig zu leicht verwendet.


In der Medizin bedeutet Evidenz nicht:


Es gibt irgendwo eine Studie mit positivem Ergebnis.


Eine belastbare wissenschaftliche Beurteilung berücksichtigt unter anderem:


  • mehrere Studien
  • Qualität der Studien
  • Größe der untersuchten Gruppen
  • Vergleichsbehandlungen
  • Übereinstimmung der Ergebnisse
  • mögliche Verzerrungen
  • Übertragbarkeit auf die konkrete Patientengruppe
  • klinische Bedeutung des Effekts


Deshalb ist es oft genauer zu sagen:


  • gut untersucht
  • Hinweise auf Wirksamkeit
  • positive Evidenz für einen bestimmten Anwendungsbereich
  • vielversprechend, aber noch nicht ausreichend untersucht
  • uneinheitliche Studienlage
  • derzeit keine ausreichende Grundlage für eine sichere Aussage


Diese sprachliche Genauigkeit ist keine Schwäche.


Sie ist wissenschaftliche Sorgfalt.

Was Forschung nicht leisten kann

Auch gute Studien beantworten nicht jede individuelle Frage.


Eine Studie kann zeigen, wie eine Gruppe von Menschen durchschnittlich auf eine Behandlung reagiert.


Sie kann nicht sicher vorhersagen:


  • ob eine bestimmte Person profitieren wird
  • wie stark der Effekt sein wird
  • wie viele Sitzungen notwendig sind
  • wie lange ein möglicher Nutzen anhält
  • welche individuelle Methode am besten passt


Deshalb verbindet evidenzbasierte Medizin wissenschaftliche Erkenntnisse mit:


  • klinischer Erfahrung
  • medizinischer Diagnostik
  • individueller Situation
  • Zielen und Präferenzen der Patientin oder des Patienten


Auch bei medizinischer Hypnotherapie bleibt die individuelle Indikationsprüfung unverzichtbar.

Was daraus für die Praxis folgt

Aus der wissenschaftlichen Studienlage ergeben sich für die Praxis klare Grundsätze.

Hypnose wird indikationsbezogen eingesetzt

Nicht die Frage „Kann Hypnose helfen?“ steht allein im Mittelpunkt.


Entscheidend ist:


Bei welchem konkreten Problem soll sie helfen?

Medizinische Diagnostik bleibt notwendig

Hypnose ersetzt keine Abklärung körperlicher Beschwerden.


Psychische und körperliche Faktoren werden nicht gegeneinander ausgespielt.

Behandlungsziele werden realistisch formuliert

Ziele können beispielsweise sein:


  • Schmerz besser bewältigen
  • Stressreaktionen reduzieren
  • Angst vor medizinischen Situationen regulieren
  • Selbsthypnose erlernen
  • mit einer Erkrankung besser umgehen
  • Körperwahrnehmung verändern
  • Selbstwirksamkeit stärken


Nicht seriös wären garantierte Heilungs- oder Erfolgsversprechen.

Die Evidenz wird je nach Anwendungsgebiet unterschiedlich bewertet

Eine gute Studienlage für Schmerz bedeutet nicht automatisch eine gute Studienlage für Allergien, Raucherentwöhnung oder jede andere Erkrankung.


Jedes Anwendungsgebiet muss gesondert betrachtet werden.

Hypnose wird als Teil eines Behandlungskonzeptes verstanden

Medizinische Hypnotherapie kann:


  • eigenständiger therapeutischer Schwerpunkt sein
  • andere psychotherapeutische Verfahren ergänzen
  • medizinische Behandlung psychosomatisch begleiten
  • Selbstregulation fördern


Sie wird jedoch nicht als universelle Alternative zur übrigen Medizin verstanden.

Wissenschaftliche Evidenz und individuelle Behandlung gehören zusammen

Die Forschung hilft zu beantworten:


  • Was wurde untersucht?
  • Wo gibt es Hinweise auf Nutzen?
  • Wo ist die Evidenz besonders belastbar?
  • Wo bestehen Unsicherheiten?
  • Welche Risiken und Grenzen müssen berücksichtigt werden?


Die Behandlung eines einzelnen Menschen braucht zusätzlich:


  • sorgfältige Diagnostik
  • Erfahrung
  • therapeutische Beziehung
  • realistische Zielklärung
  • Verlaufskontrolle
  • Anpassung an die individuelle Situation


Genau darin liegt der Unterschied zwischen der unkritischen Aussage „Hypnose wirkt“ und einer medizinisch verantworteten Hypnotherapie.

Quellen und weiterführende Informationen

Die folgenden Quellen dienen der medizinischen und wissenschaftlichen Einordnung der dargestellten Inhalte. Die Auswahl ist keine vollständige Bibliografie und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.

Elkins GR, Barabasz AF, Council JR, Spiegel D. Advancing Research and Practice: The Revised APA Division 30 Definition of Hypnosis. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis. 2015;63(1):1–9. DOI 10.1080/00207144.2014.961870. PMID 25365125.

Grundlage für fokussierte Aufmerksamkeit, reduzierte periphere Wahrnehmung und erhöhte Reaktionsfähigkeit auf Suggestionen. 

Bollinger JW. The Rate of Adverse Events Related to Hypnosis During Clinical Trials. American Journal of Clinical Hypnosis. 2018. PMID 29485379.

Unterstützt die Aussage, dass klinische Hypnose in kontrollierten Studien überwiegend gut verträglich war; ersetzt keine individuelle Risiko- und Indikationsprüfung.

Rosendahl J, Alldredge CT, Haddenhorst A. Meta-analytic evidence on the efficacy of hypnosis for mental and somatic health issues: a 20-year perspective. Frontiers in Psychology. 2024;14:1330238. DOI 10.3389/fpsyg.2023.1330238.

Überblick über 49 Metaanalysen; besonders robuste Effekte bei Schmerz und medizinischen Prozeduren, zugleich deutliche methodische Heterogenität. 

Milling LS, Valentine KE, McCarley HS, LoStimolo LM. Hypnosis and the Alleviation of Clinical Pain: A Comprehensive Meta-Analysis. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis. 2021;69(3). DOI 10.1080/00207144.2021.1920330. PMID 34038322.

Umfassende Metaanalyse kontrollierter Studien; die Übertragbarkeit hängt von Schmerzart und klinischem Kontext ab.

Jones HG, Rizzo RRN, Pulling BW, et al. Adjunctive use of hypnosis for clinical pain: a systematic review and meta-analysis. Pain Reports. 2024;9(5):e1185. DOI 10.1097/PR9.0000000000001185.

Untersucht Hypnose zusätzlich zur Standardbehandlung; unterstützt zurückhaltende Aussagen zu ergänzendem Nutzen. 

Walter N, et al. Hypnosis as a non-pharmacological intervention for invasive medical procedures – A systematic review and meta-analytic update. Journal of Psychosomatic Research. 2025. PMID 40179604.

Aktuelle Übersicht zu Angst, Schmerz und Belastung bei invasiven Eingriffen; die Studien sind methodisch heterogen.

Goodoory VC, et al. Effect of Brain-Gut Behavioral Treatments on Abdominal Pain in Irritable Bowel Syndrome: Systematic Review and Network Meta-Analysis. 2024. PMID 38777133.

Ordnet darmgerichtete Hypnose neben anderen psychologischen und verhaltensmedizinischen Verfahren ein. 

Adler EC, Levine EH, Ibarra AN, Boparai ES, Hung YY, McCrary QD, Lee JK. Gut-Directed Hypnotherapy for Irritable Bowel Syndrome: A Systematic Review and Meta-Analysis. Neurogastroenterology & Motility. 2025;37:e70037. DOI 10.1111/nmo.70037. PMID 40179285.

Zeigt Verbesserungen globaler IBS-Symptome, insbesondere Bauchschmerzen; Studien und Darreichungsformen bleiben heterogen. 

De Pascalis V, et al. Brain Functional Correlates of Resting Hypnosis and Hypnotizability: A Review. Brain Sciences. 2024;14(2):115. PMID 38391691.

Übersicht zu fMRT-, PET- und EEG-Befunden. Beschrieben werden Zusammenhänge und Korrelate, keine diagnostischen Biomarker oder ein einzelner bewiesener Wirkmechanismus.

Fernandez A, et al. Impact of hypnosis on psychophysiological measures: a scoping literature review. American Journal of Clinical Hypnosis. 2022. DOI 10.1080/00029157.2021.1873099. PMID 34748461.

Ordnet physiologische und autonome Messgrößen ein; die Ergebnisse unterscheiden sich nach Messmethode und Studiendesign.

Wissenschaftliche Quellen werden fortlaufend geprüft

Medizinische Forschung entwickelt sich weiter.


Neue Studien können:


  • bisherige Ergebnisse bestätigen
  • bestehende Annahmen relativieren
  • neue Anwendungsbereiche untersuchen
  • methodische Schwächen früherer Forschung sichtbar machen


Deshalb sollte eine wissenschaftlich orientierte Praxis nicht mit einem statischen Satz wie „wissenschaftlich bewiesen“ arbeiten.


Besser ist eine Haltung, die neue Erkenntnisse prüft und Aussagen an den aktuellen Stand der Forschung anpasst.

Zusammenfassung

Medizinische Hypnose ist ein wissenschaftlich untersuchtes psychophysiologisches Verfahren.


Besonders umfangreiche Forschung gibt es zu:


  • Schmerz
  • medizinischen Eingriffen
  • situativer Angst und Belastung im medizinischen Kontext
  • Reizdarmsyndrom und darmgerichteter Hypnotherapie


Neurowissenschaftliche Forschung untersucht Veränderungen in Prozessen und Netzwerken, die unter anderem mit Aufmerksamkeit, Körperwahrnehmung, emotionaler Bewertung und Schmerzverarbeitung verbunden sind.


Die Evidenz ist jedoch nicht für jedes Anwendungsgebiet gleich stark.


Hypnose ist keine wissenschaftlich belegte Universalbehandlung für alle körperlichen oder psychischen Erkrankungen. Insbesondere direkte Heilungsversprechen für organische Erkrankungen sind nicht gerechtfertigt.


Die seriöse Schlussfolgerung lautet deshalb:


Medizinische Hypnotherapie kann bei ausgewählten Beschwerden und Behandlungszielen ein wissenschaftlich begründbarer therapeutischer Ansatz sein. Entscheidend sind die konkrete Indikation, realistische Erwartungen, fachliche Qualifikation und die Einbettung in eine verantwortungsvolle medizinische und psychosomatische Behandlung.

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